Ziele formulieren
Leitziel, Handlungsziel, SMART – und wie man Ziele bei schwierigen Verläufen sauber formuliert.
Ein gutes Ziel ist die Brücke zwischen Bedarf und Maßnahme. Es muss überprüfbar sein – sonst ist später keine Wirkungskontrolle und keine Fortschreibung möglich.
Einordnung BEI_NRW 2.0: Die verbindliche SMART-Zielformulierung und die Stundenfestlegung liegen künftig beim Fallmanagement (Sachbearbeitervorbehalt). Als Leistungserbringer geben wir fachlich begründete Ziel- und Maßnahmen-Empfehlungen ab – wie diese im neuen Verfahren genau heißen und ausgestaltet werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Dieses Kapitel vermittelt das Handwerk dahinter; es bleibt fachlich wertvoll, unabhängig davon, wer am Ende formuliert.
Leitziel, Handlungsziel, Maßnahme
Drei Ebenen, die oft verwechselt werden:
- Leitziel – die übergeordnete Richtung („Der LB führt den Haushalt eigenständiger"). Gibt Orientierung, ist aber nicht direkt messbar.
- Handlungsziel – das konkrete, überprüfbare Teilziel im vereinbarten Zeitraum. Hier entsteht die Wirkungskontrolle.
- Maßnahme – die Unterstützung, mit der das Handlungsziel erreicht werden soll. Eine Maßnahme ist kein Ziel.
Fachlich gilt: Neben Leitzielen braucht es konkrete Handlungsziele, weil sie die Grundlage für Wirkungskontrolle und Fortschreibung sind.
SMART – richtig verstanden
Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Entscheidend sind messbar und terminiert: Woran würde man in sechs Monaten erkennen, dass das Ziel erreicht ist? Kein gutes Ziel: „Psychische Stabilität erhalten." – nicht beobachtbar, nicht terminiert, nicht überprüfbar. Besser (Handlungsziel): „Der LB erledigt innerhalb von sechs Monaten mindestens zwei wiederkehrende Aufgaben der Haushaltsführung mithilfe eines Wochenplans und punktueller Anleitung."
Erhaltungsziele sauber formulieren
Nicht jedes Ziel ist ein Veränderungsziel. Bei chronischen oder stabilen Verläufen sind Erhaltungsziele richtig – sie müssen aber trotzdem überprüfbar sein:
„Frau K. behält über den Bewilligungszeitraum ihre Tagesstruktur bei und verlässt an mindestens vier Tagen pro Woche die Wohnung zu einer vereinbarten Aktivität." (überprüfbar) – statt „Frau K. bleibt stabil." (nicht überprüfbar)
Ziele bei schwierigen Konstellationen
- Chronische Verläufe: Erhaltungs- statt Veränderungsziele, kleinschrittig.
- Fehlende Krankheitseinsicht: Ziele an konkretes, beobachtbares Verhalten knüpfen, nicht an Einsicht.
- Suchterkrankung: realistisch und schadensmindernd formulieren (z. B. Beibehaltung von Terminen, Reduktion riskanter Situationen) statt unrealistischer Abstinenz-Vorgaben.
- Krisenvermeidung: Frühwarnzeichen und vereinbarte Reaktion als Ziel fassen.
- Nachtansprechbarkeit: das Ziel an die konkret abgesicherte Situation knüpfen (Erreichbarkeit, Reaktionsweg), nicht an „Sicherheit" allgemein.
Prüf-Checkliste
- Ist es ein Handlungsziel (überprüfbar) – nicht nur ein Leitziel?
- Gibt es einen Zeitbezug und ein beobachtbares Kriterium?
- Ist das Ziel für die Person realistisch und attraktiv – nicht über sie hinweg formuliert?
- Bei Erhaltung: ist klar, was erhalten wird und woran man es erkennt? --- *Grundlage: ICF, SGB IX sowie LVR-Materialien zu BEI_NRW 2.0 (2025). Siehe Quellen.*
