Teilhabeeinschränkungen formulieren

Die Formel, mit der aus einer Beobachtung eine fachlich belastbare Teilhabeeinschränkung wird.

Die Teilhabeeinschränkung ist das Herzstück der fachlichen Sicht. Wird sie zu allgemein beschrieben, trägt der ganze Gesamtplan nicht. Diese Seite zeigt, wie aus einer Beobachtung eine prüfbare Formulierung wird.

Drei Ebenen unterscheiden

Eine häufige Fehlerquelle ist, dass Diagnose, Funktionseinschränkung und Teilhabeeinschränkung vermischt werden. Die ICF trennt sie bewusst:

  • Diagnose – die medizinische Bezeichnung (z. B. „rezidivierende depressive Störung"). Sie begründet, erklärt aber keinen Bedarf.
  • Funktionseinschränkung – die Beeinträchtigung einer Körperfunktion oder Aktivität (z. B. „eingeschränkte Handlungsplanung, geringe Belastbarkeit").
  • Teilhabeeinschränkung – die Folge im Lebensbereich: Was kann die Person dadurch in ihrem Alltag und in der Gemeinschaft nicht (mehr) tun?
Eine Diagnose ist kein Bedarf. Erst die Teilhabeeinschränkung beschreibt, warum Unterstützung nötig ist.

Die Formel

Aufgrund von [Beeinträchtigung / Funktionseinschränkung / psychosozialer Problemlage] ist die leistungsberechtigte Person in [konkreter Aktivität / Teilhabe] eingeschränkt. Dies zeigt sich im Alltag durch [beobachtbare Folgen]. Ohne Unterstützung besteht das Risiko, dass [Teilhabefolge / Verschlechterung / Ausschluss] eintritt. Vier Bausteine: Ursache → eingeschränkte Aktivität → beobachtbare Folge → Risiko ohne Hilfe. Fehlt ein Baustein, wird die Aussage unscharf.

Schlecht vs. besser

Schlecht:

Der LB braucht Unterstützung im Alltag. Das ist keine Teilhabeeinschränkung, sondern eine Vermutung. Keine Ursache, keine Aktivität, keine beobachtbare Folge, kein Risiko. Besser: Der LB ist aufgrund eingeschränkter Handlungsplanung und geringer psychischer Belastbarkeit derzeit nicht in der Lage, wiederkehrende Aufgaben der Haushaltsführung selbstständig zu planen und umzusetzen. Ohne strukturierende Anleitung bleiben Reinigung, Wäschepflege und Vorratsplanung regelmäßig aus. Dies führt zu Überforderung im häuslichen Leben und gefährdet die eigenständige Wohnform. Hier ist alles da: Ursache (Handlungsplanung, Belastbarkeit), Aktivität (Haushaltsführung planen/umsetzen), Folge (Reinigung/Wäsche/Vorrat bleiben aus), Risiko (Gefährdung der Wohnform).

Prüf-Checkliste

  • Ist eine konkrete Aktivität / ein Lebensbereich benannt – nicht nur „der Alltag"?
  • Ist die Einschränkung beobachtbar beschrieben (was passiert konkret)?
  • Ist die Ursache genannt, ohne nur die Diagnose zu wiederholen?
  • Ist ein Risiko / eine Teilhabefolge ohne Unterstützung erkennbar?
  • Würde eine fremde Fachkraft die Situation nachvollziehen können? --- *Grundlage: ICF (bio-psycho-soziales Modell) und LVR-Materialien zu BEI_NRW 2.0 (2025). Siehe Quellen.*
Teilhabeeinschränkungen formulieren – Teilhabe.io