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Warum ich Teilhabe.io entwickle – und warum wir erst am Anfang stehen!
Aus der Praxis der Eingliederungshilfe: warum ich an einer Arbeitshilfe für die fachliche Bedarfsermittlung baue – und warum Teilhabe.io bewusst im Aufbau ist.
Seit Jahren begleite ich in der Eingliederungshilfe Menschen in besonderen Wohnformen – und bin schwerpunktmäßig für die Bedarfsermittlung verantwortlich. Dabei ist mir immer wieder dasselbe aufgefallen: Das fachliche Können ist da. Aber das Instrument frisst Zeit, und am Ende geht der rote Faden verloren.
Das Problem, das ich täglich sehe
Die heutige Bedarfsermittlung ist aufwendig – ein ausgefülltes Instrument umfasst schnell 40 bis 80 Seiten. Teilhabeeinschränkungen werden zu allgemein beschrieben, Ziele sind selten wirklich SMART, und Maßnahmen bleiben oft unkonkret. Nicht, weil Fachkräfte das nicht könnten – sondern weil unter Zeitdruck die Struktur fehlt, die das Denken trägt.
Was sich mit BEI_NRW 2.0 ändert
Mit BEI_NRW 2.0 verschieben sich die Rollen: Die persönliche Sicht bringt die leistungsberechtigte Person künftig selbst ein. Wir als Fachkräfte steuern den fachlichen Teil bei – und genau dieser Teil bekommt mehr Gewicht, weil das Fallmanagement Ziele und Gesamtplan auf Basis unserer begründeten Vorschläge formuliert. Heißt: Je präziser unsere fachliche Sicht, desto besser der Gesamtplan.
Warum ich daraus ein Werkzeug baue
Ich wollte keine weitere Bürokratie, sondern eine Denk- und Formulierungshilfe. Teilhabe.io führt durch die fachliche Sicht wie durch eine Kette: vom ICF-Lebensbereich über die Teilhabeeinschränkung und die Umweltfaktoren bis zum begründeten Ziel- und Maßnahmenvorschlag. Statt leerer Textfelder gibt es Vorschläge zum Bestätigen und Anpassen. Wichtig ist mir dabei: Teilhabe.io trifft keine Entscheidung über Leistungen. Es ist eine fachliche Arbeitshilfe – kein Ersatz für die fachliche Bewertung und kein offizielles Produkt des LVR.
Warum eine App – und nicht noch ein Formular?
Ein Formular mehr löst das Problem nicht – im Gegenteil. Der Unterschied liegt in der Führung:
- Vorschlagen statt sammeln. Bewährte Bedarfe, Ziele und Maßnahmen liegen als Katalog bereit. Die App schlägt vor, Sie bestätigen oder passen an – statt vor einem leeren Textfeld zu sitzen. Ein Dokument kann das nicht.
- Gemacht für die Praxis. Viele Kolleginnen und Kollegen sind nicht digital-affin und arbeiten am Tablet im Gespräch. Eine App kann maximal führen: große Schaltflächen, wenig Freitext, ein klarer Schritt nach dem anderen.
- Einheitliche Qualität im Team. Über mehrere Einrichtungen und viele Fachkräfte hinweg sorgt der geführte Prozess für vergleichbare, prüfbare Formulierungen – statt so vieler Stile, wie es Mitarbeitende gibt.
- Der rote Faden bleibt. Von der Einschätzung über das Ziel bis zur Maßnahme hält die App die Logikkette zusammen, die in Freitext schnell reißt.
- Anschlussfähig und nachvollziehbar. Strukturierte Ergebnisse lassen sich in den weiteren BEI_NRW-Prozess übernehmen, und die Fortschreibung im nächsten Zeitraum wird leichter, weil nichts neu erfunden werden muss. Kurz: Eine App kann etwas, das Papier und Word nicht können – sie denkt mit, ohne zu entscheiden.
Wir stehen erst am Anfang
Teilhabe.io ist bewusst im Aufbau. Ich entwickle es Schritt für Schritt, nah an der Praxis – die App und dieses Handbuch wachsen mit. Manches ist noch roh, manches fehlt noch. Das ist Absicht: Lieber ein Werkzeug, das mit den Rückmeldungen der Fachkräfte besser wird, als ein fertiges Produkt, das an der Realität vorbeigeht. Wenn Sie in der Eingliederungshilfe arbeiten und Rückmeldungen haben – ich freue mich darüber. Genau dafür ist dieser Anfang da.
